Labyrinthe
Einleitung Das Ur-Labyrinth Ursprung des Labyrinths Was war das Labyrinth? Erscheinungsformen
Links / Quellennachweis
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Was war das Labyrinth ursprünglich?
Die Sage vom Minotaurus
Gemäß der griechischen Sage und
einigen Autoren befand sich das erste Labyrinth auf der Insel Kreta.
Dort war es Teil des Palastes von Knossos, wo der König Minos herrschte.
Er hatte ein gefährliches Ungeheuer, den Minotaurus - eine
Menschengestalt mit Stierkopf - in seinem Palast eingeschlossen,
um die Menschen der Alten Welt davor zu schützen. Dieser Kerker soll
das erste Labyrinth gewesen sein. Angeblich habe man zwar relativ
problemlos zum Minotaurus gelangen können, der Weg zurück allerdings
sei durch die verwinkelten Gänge unmöglich gewesen. Nach der Sage
ist irgendwann der legendäre Theseus zu dem Ungeheuer vorgedrungen
und habe es besiegt. Danach kehrte er wieder zu seiner Geliebten
Ariadne zurück, da er zuvor seinem Weg ins Zentrum durch einen Faden
(den Ariadnefaden) gekennzeichnet hatte.
Palast von Knossos
Diese Geschichte ist freilich nur Teil der
phantasiereichen griechischen Sagenwelt. So verwundert es auch
kaum, dass bis zum heutigen Zeitpunkt bei Ausgrabungen auf Kreta
kein entsprechendes Labyrinth oder dessen Überreste gefunden
wurden. Das Labyrinth - ein Tanz?
Heute geht man davon aus, dass das Ur-Labyrinth
kein Gebäude war, sondern als Symbol angeshen wurde. "Symbol" darf
hier in vielen Zusammenhängen aufgefasst werden. So erzählt der
griechische Dichter Homer in seinem Epos "Ilias" vom Schmiedegott
Hephaistos:
"Ferner schuf er darauf einen Reigen der rühmlichen
Künstler, Jenem ähnlich, den einstens in Knossos, der weiten
Feste, Daidalos hatte gefügt für die lockere Maid
Ariadne. Blühende Jünglinge dort und reich begüterte
Mädchen Tanzten den Reigen und hielten einander gefasst bei den
Händen ... Kreisend liefen sie bald mit wohlbemessenen
Tritten Leicht umher, so wie wenn ein Töpfer die passende
Scheibe Sitzend mit prüfenden Händen erprobt, wie schnell sie
sich drehe; Bald auch tanzten sie wieder den Reigen einander
entgegen ..."
Später heißt es, dass Daidalos in Knossos für
Ariadne, die Tochter des Königs Minos, ein Labyrinth erschaffen hat.
War damit vielleicht gar kein Gebäude, sondern ein kreisrunder
Tanzplatz mit einem labyrinthähnlichen Bodenmuster gemeint, auf dem
der oben beschriebene Tanz ausgeführt wurde? Es scheint heute
gesichert, dass nach der eigenwilligen Figur des Ur-Labyrinths ein
kultischer Formationstanz ablief. Dabei waren die Tanzenden durch
einen Faden verbunden und am Ende und am Anfang durch einen "Führer"
abgeschlossen. Durch "Abwechslungen" und "Evolutionen", wie es Homer
nennt, folgten sie der Bahn des Ur-Labyrinths. Mit "Abwechslung" ist
wahrscheinlich ein Richtungswechsel, mit "Evolution" die Veränderung
der Größe des Kreises gemeint, genauso, wie man beim Durchschreiten
des Ur-Labyrinths ja auch mit jedem Umlauf die Richtung und Distanz zum
Zentrum ändert. Der Labyrinth-Tanz als Tradition
In diese Theorie fügt sich auch eine alte Tradition
im französischen Baskenland, die allerdings mit Anfang dieses
Jahrhunderts in Vergessenheit geraten ist: Der "Schneckentanz". Er
wurde vor allem bei ländlichen Festen aufgeführt. Unter Leitung
eines Vortänzers schritt eine Tänzerkette eine labyrinthähnliche,
kreisförmig hin- und herpendelnde Bahn ab, wobei das unterhaltsame
Ziel der Mittanzenden darin bestand, durch geschickte "Manöver" den
Vortänzer soweit zu irritieren, dass er in der Mitte eingeschlossen
werden konnte. Allerdings weiß heute keiner mehr die wahre
Bedeutung dieses Spiels, auch seine Ursprünge sind schleierhaft.
© 1999
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