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Bereich: Pyrtamiden
Die Pyramiden von Giseh

Giseh

Einleitung
Geschichte Ägyptens
Vom Zweck der Pyramiden
Die Cheopspyramide

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Vom Zweck der Pyramiden

Kein Volk würde die großen Mühen auf sich nehmen, solch gewaltige Denkmäler wie es die Pyramiden sind zu erbauen, wenn nicht der Sinn dieses Unternehmens jedem klar ersichtlich gewesen wäre.

Doch heute haben wir keine gesicherten Erkenntnisse über den Zweck der Pyramiden. Waren es Grabbauten - Monumente für das ewige Fortbestehen der Seele des verstorbenen Pharaos? Oder hat die unendliche Präzision, mit der sie errichtet wurden einen tieferen Sinn?

Archäologen und Historiker

Das Lager der Pyramidenforscher zerfällt in zwei Gruppen, wovon Archäologen und Historiker die populärere darstellen. Sie haben schon seit Jahrhunderten in den alten Schriften gelesen und aktiv an den Pyramiden geforscht.
Ihr Schluss: Die Pyramiden sind große Grabstätten  um den Leichnahm des verstorbenen Pharao, dessen Seele mit dem Tod wieder in den Himmel zurückkehren sollte, zu schützen. So heißt es in einer Inschrift dann auch: "Wir bauen für ihn eine Treppe, damit er in den Himmel eingehen kann". Das ist auch eine Erklärung, warum die ersten Pyramiden (z.B. bei Djoser) noch stufenförmig angelegt wurden. Um es dem Pharao im Jenseits möglichst angenehm zu machen, legte man großzügige Grabbeigaben in die Grabkammern - auch an Sklaven, die machnmal nach dem Tod des Pharaos extra hingerichtet wurden, sollte es ihm nicht fehlen; schließlich musste er ja auch nach dem Tod für den Fortbestand des Reiches sorgen.
Für die Historiker sind die Pyramiden weniger Denkmäler als religiöse Ritualstätten, ähnlich wie Stonehenge. Das gesamte Volk wirkte beim Bau mit, zumal die Bauzeit im Juni bis November lag, wo der Nil über die Ufer tritt und die Arbeit auf den Feldern ruhte.

Astronomen und Mathematiker

Das erklärt aber manche Ungereimtheiten nicht, die immer wieder bei der Erforschung der Monumente auftauchten. So fand sich in der Königskammer der Cheopspyramide ein in den Boden eingelassener deckelloser Steinsarg. Er war leer. Es ist nicht geklärt, ob sich überhaupt jemals ein König darin befunden hat. Auch weiß man nicht, wie man den Sarg nach dem Bau in die Königskammer gebracht hat - alle Zugangswege sind viel zu schmal um den gewaltigen Sarg durchzulassen. Man konnte ihn nur während der Bauzeit anbringen - aber war er dann ein Sarkophag?
Auch fällt eine extreme Präzision bei der Ausrichtung der Pyramide nach den Himmelsrichtungen auf. Ihre Kanten weichen nur um Zehntelgrade von der Idealen ab.

Grabkammer in der Cheopspyramide
Die Königskammer

Das führte dazu, dass sich über die Jahrhunderte immer wieder Mathematiker mit dem seltsamen Gebäude beschäftigten und in der Tat manch denkwürdigen Zusammenhang ans Tageslicht brachten. So staunten die beiden Engländer Taylor und Smith nicht schlecht, als sie herausfanden, dass die doppelte Höhe des Bauwerks zu seinem Umfang an der Basis in gleichem Verhältnis steht wie der Kreisdurchmesser zum Kreisumfang - die Ägypter mussten also bereits die Zahl pi gekannt haben, und zwar auf fünf Stellen genau.

Jomards Entdeckungen

Bereits im Jahre 1798 hatten solche Forschungsarbeiten begonnen, als der junge General Bonaparte mit einem regelrechten Heer aus über 170 Gelehrten die Pyramiden aufsuchte. Sein bedeutendster Wissenschaftler Edmé-François Jomard konnte erstmals die Winkel und Dreieckshöhen der Wände mit zufriedenstellender Genauigkeit bestimmen. Letztere maß er mit 184,722 Metern. Dieses Maß ließ ihn aufhorchen. Er wusste, dass ein altes griechischen Maß, das Stadion, 185 Meter betrug. Und ein Stadion galt als der 600. Teil eines Breitengrades. Nachdem er den berechneten Breitengrad für den Standpunkt der Cheopspyramide durch 600 teilte, erhielt er 184,712 Meter. Konnte das ein Zufall sein? Oder hatten die Griechen mit dem Stadion ein weitaus älteres Maß übernommen? Das musste aber heißen, dass die Ägypter die Gestalt der Erde kannten - für Archäologen unvorstellbar.
Es läßt sich aber nicht von der Hand weisen: Im zweiten Jahrhundert berichtete Agatharchides, dass die Höhe eines Seitendreiecks dem zehnteen Teil einer Winkelminute eines geographischen Breitengrades entspreche. Bei den mehrfach gemessenen 184,722 m wäre also eine Winkelminute 1847 m lang. Jomard berechnete, dass das für die geographische Breite von 27° 40' in der Tat zutrifft. In der Nähe liegt das älteste ägyptische Vermessungszentrum (27° 45'). Eine in diesem Zentrum gefunde Inschrift besagt dann auch, dass der durchschnittliche Abstand eines Breitengrtades zum nächsten zwischen Äquator und Pol 111.136,7 m beträgt. Moderne Messungen ergaben 111.134,1 m.
Es steht also außer Frage, dass die Ägypter die Gestalt der Erde exakt berechnen konnten. Das aber konnte nur mit Hilfe von Himmelsbeobachtungen möglich sein (s. nächstes Kapitel)

Was jetzt? Grabmal oder Observatorium?

Forscher wollen heute gar nicht abstreiten, dass in den Pyramiden Pharaonen die letzte Ruhe finden sollten. Das war vermutlich auch die Hauptaufgabe dieser Monumente. Aber niemand kann heute mehr bestreiten, dass für den Pyramidenbau mathematisches und astronomisches Wissen nötig war, das erst Jahrhunderte oder Jahrtausende später datiert wurde.

© 1999