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Orakel von Delphi

Das älteste Orakel steht in Delphi - das stimmt, soweit wir es zumindest wissen. Vermutlich hat es jedoch Orakel schon zu allen Zeiten gegeben; spätestens als sich die ersten Zivilisationen der Hochkulturen entwickelten. Die Wahrsagungspraktiken verbinden sich nämlich indirekt mit Religion, Kult und Götterglaube - Dinge, die charakteristisch für eine jede Zivilisationen sind. Leider sind aus den Anfängen der "Orakelei" jedoch keinerlei Zeugnisse erhalten. Wir können jedoch auf den riesigen Fundus griechischen Materials zurückgreifen, da die Griechenlands Gelehrte bekanntlich sehr früh mit ihren Aufzeichnungen begannen.

Das vielzitierte Orakel von Delphi wurde zum dritten Mal 548 v. Chr. neu aufgebaut, da es zuvor durch einen Brand zerstört worden war. Das heißt aber, dass an den Hängen des Gebirges Parnaß schon wesentlich früher Weißsagungen stattgefunden haben müssen.
Der wohl populärste Fall ist heute in jedem Geschichtsbuch nachzulesen: Der Lyderkönig Krösus wollte vor seinem Feldzug gegen die Perser auf "Nummer sicher" gehen und schickte deshalb mehrere Gesandtschaften zu den damals wichtigsten Orakeln in der bekannten Welt, um schriftlich die Antworten einzuholen; währenddessen saß er prunkvoll vor einem Eisenkessel, indem das Fleisch eines Lammes und einer Schildkröte garten. Sein Vertrauen konnte das Orakel von Delphi gewinnen, weil die Pythia, wie Herodot Jahre später in seinen "Historien" aufschrieb, folgendes melden ließ:
"Weiß ich doch der Sandkörner Zahl und die Masse des Meeres,
Selbst den Stummen vernehm' ich, und den Nichtsprechenden hör' ich,
Duft von Schildkröte ward mir bewusst, dem gepanzerten Tier,
Die in ehernem Kessel gekocht wird, und Stücke von Lammfleisch,
Erz ist darunter gelegt, und Erz wird ruh'n auf dem Kessel."
Das angeführte Erz bezieht sich auf das Eisen, das sich auf dem Kessel in Form eines Eisendeckels befand. Von dieser genauen Beschreibung war Krösus außerordentlich beeindruckt. Vielleicht war er zu blauäugig, dass er den restlichen Antworten zu viel Glauben schenkte. Auf seine Frage nach dem Ausgang des Perserkrieges bekam er zur Antwort:
"Wenn du den Halys (heute: Kizilirmak) überschreitest, wirst du ein großes Reich zerstören". Krösus verstand es als eindeutige Siegeserklärung für sein Heer und marschierte in Richtung Persien.
In der Tat zerstörte Krösus ein großes Reich im Kampf mit den Persern. Dass es sein eigenes war, hätte er sich wohl aber nicht träumen lassen. Der Perserkönig Kyros konnte die entscheidende Schlacht durch einen militärischen Trick für sich entscheiden und Krösus gefangen nehmen und töten.

Wie gelangte Pythia zu ihrem Wissen? Wer war sie überhaupt? Man sagte, sie erhalte ihre Informationen direkt von Apollon, dem Gott der Weissagung, wenn sie sich in Trance befand. Die letzte Auskunft erteilte sie übrigens im Jahre 362 n. Chr. dem Arzt Oribasisus, der von Kaiser Julianus aus wissen wollte, ob die Orakelstätte eine Zukunft hätte, angesichts der sich dem zum Christentum zuwendenden Welt. Die Antwort: "Künde dem König, das schöngefügte Haus ist gefallen. Phoibos Apollon besitzt keine Zuflucht mehr, der heilige Lorbeer verwelkt, / Seine Quellen schweigen für immer, verstummt ist das Murmeln des Wassers". Ihr Ende hat Pythia richtig vorhergesagt: Sechs Jahre danach war der Tempel zerstört. Arkadios, Sohn des Kaisers Theodosius, veranlasste den Abriss des Orakels von Delphi.

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