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Orakel

Orakel

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Andere Orakel

Wahrsagungen lassen sich in Kategorien einteilen. Die häufigsten Varianten sind in der Übersicht zu sehen:

Die am häufigsten praktizierte Form ist das Volksorakel. Hier versucht man Vorzeichen zu provozieren, wobei nur die Verfahrensweise in den verschiedenen Kulturkreisen unterschiedlich ist. Das Brotkugelorakel ist zum Beispiel für junge Mädchen interessant, die sich nicht für einen Liebhaber entscheiden können. Sie schreiben die Namen der Kandidaten auf kleine Zettel, die sie in Brotkügelchen einwickeln. Diese werfen sie dann in ein Glas Wasser, wodurch sich der Brotteig langsam auflöst. Der Zettel, der als erstes an die Oberfläche schwimmt, ist dann dem Volksglauben nach der Richtige. Sogar Diebe wurden vor einiger Zeit mit dieser Methode ermittelt. Meistens handelt es sich hierbei zugleich um Binärorakel, die nur zwei Antworten zulassen. In diese Kategorie fallen damit auch das Münzewerfen, das Würfeln oder Blumenblätterzählen in der Art "er liebt mich ... er liebt mich nicht ... er liebt mich ...". Die Trefferquote liegt bei dieser Form in der Regel bei 50 %, was genau der statistischen Wahrscheinlichkeit des Verfahrens entspricht. Einzige Ausnahme bilden Medien, die durch ihre besonderen Fähigkeiten den Ausgang des Orakels unbewusst bestimmen.

Auch Omendeutungen können zu den Binärorakeln zählen. In Delphi wurde etwa das Zicklein mit Wasser besprengt, um herauszufinden, ob der Gott dem Orakel zustimmte. Dennoch sind Omen eine eigenständige Form der Orakel. So fallen heute viele Aberglauben in diese Kategorie: Die schwarze Katze, die den Weg von links nach rechts kreuzt und das vierblättrige Kleeblatt, das man findet, sind die populärsten Vertreter dieser Kategorie. Aber auch schon die Römer kannten die Omendeutung. Damals hatte sich der Glaube verbreitet, durch das Eingeweidelesen von Opfertieren, Blitzdeutung und Vogelschau könne man die Zukunft vorhersagen. Eine etwas mulmig stimmende Anekdote existiert in Verbindung mit Cäsar. Als der Haruspex Spurinna Vestricius am 10. März 44 v. Chr. den römischen Herrscher zur Vorsicht mahnte, lachte dieser noch darüber. Nicht mehr lachen konnte er fünf Tage später, als er sich leichtsinnig und unbewaffnet in die Kurie begab und von Meuchelmördern aus dem Weg geräumt wurde. Der Opferschauer hatte bei dem Tier eine fehlgebildete Leber entdeckt und kein Herz gefunden.

Nicht zu den Omen zählen die seit den letzten Jahrhunderten so beliebten Praktiken wie Kaffeesatzlesen und Bleigießen. Hierbei handelt es sich um eidetische Orakel. Das Verfahren sieht vor, sich bildende Formen und Farben intuitiv zu deuten und daraus zukünftige Ereignisse zu erschließen und Horoskope zu erstellen. Der in der Psychoanalyse angewandte Tintenkleckstest funktioniert nach dem selben Prinzip. Die Versuchsperson soll das Unterbewusstsein zu Wort kommen lassen und so eine sonst unterdrückte Ansicht zu Tage kommen lassen.

Noch einen Schritt weiter gehen Visionsorakel, bei denen versucht wird, das Bewusstsein noch weiter in den Hintergrund zu drängen und das Unterbewusstsein übernehmen zu lassen. Sämtliche Wahrsager, die wie begannt auf Glaskugeln, magische Spiegel oder Spiralfiguren starren, bis sie in einen Zustand der Halbtrance fallen, verfahren so. Um neben dem visuellen Sinn auch die anderen Sinne zu benebeln, kann man Räucherwerk und meditative Musik hinzunehmen. Der Trancezustand führt dann weiter zur Möglichkeit der außersinnlichen Wahrnehmen (ASW), wobei bei diesem Thema Kritiker und Anhänger immer wieder hart aufeinanderprallen. Ist doch mit diesem Ausdruck auch die Geistreise verbunden, die bereits im Kapitel Astralprojektion besprochen wurde.
Eine interessante Unterart sind sogenannte Déjà-vue-Erlebnisse. Fast ein jeder hat schon einmal gefühlt, dass er die gegenwärtige Situation schon einmal zuvor durchlebt hat. Die Gegenwart kommt einem dann unnormal bekannt vor und jedes weitere Ereignis verstärkt den Eindruck. Man sucht dann minutenlang nach Erinnerungen, kann aber nicht auf den Ursprung zurückschließen. Dieses Thema entzieht sich bis heute der wissenschaftlichen Betrachtung, da solche Erlebnisse absolut unwillkürlich und nicht reproduzierbar auftreten. Es ist jedoch auf alle Fälle ein gutes Gefühl; jeder sollte sich selbst genau beobachten.

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